Gnadenseeblick
Naturschauplatz -Der See im Zeitraffer
Der See im Zeitraffer
Der Gnadensee ist ein relativ junger „Nebendarsteller“ in der langen Landschaftsgeschichte des Bodensees. Er entstand erst vor wenigen tausend Jahren, als sich durch Erosion der Bodenseespiegel absenkte und der See in Ober- und Untersee geteilt wurde. Dabei bildete sich auch die Landschaft mit der Insel Reichenau (heute unesco-Welterbe), die heute den Gnadensee vom Seerhein trennt.
Der Untersee gliedert sich in drei Teile: in den Gnadensee mit Markelfinger Winkel, den Zeller See im Westen und in den durchfließenden Rhein in Richtung Schweiz. Bei klarer Sicht wird die Landschaft zur Bühne. Die Schweizer Alpen, die Halbinsel Höri und die markanten Kegel der Hegau-Vulkane bilden eine filmreife Silhouette.
Mit bis zu 19 Metern Tiefe ist der Gnadensee zwar kein „Tiefsee-Drama“, jedoch ein bedeutender Schauplatz für die Natur- und Vogelwelt. Angrenzend liegt das Wollmatinger Ried, ein Überwinterungsort und Rastplatz für Wasservögel und ein besonderes Naturschauspiel.
Auf dem Seegrund verborgen, nahe dem Strandbad Allensbach befinden sich die jungsteinzeitlichen Pfahlbauten (5. bis 1. Jhd. v. Chr.) – ein Teil des unesco-Welterbes der „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ und ein Archiv der Menschheitsgeschichte von unschätzbarem Wert.
Natur sehen und verstehen
Legende oder Geschichte?
Woher hat der „Gnadensee“ seinen Namen? Die Klosterinsel Reichenau galt nach dem Willen des Klostergründers als heiliges Eiland. Dort wurden zwar Todesurteile gefällt, vollstreckt werden durften sie jedoch nur auf dem Festland.
Nach der Urteilsverkündung wurde der Delinquent mit dem Schiff nach Allensbach gebracht. Dort stand im Mittelalter der Galgen der Abtei Reichenau. Läutete während der Überfahrt ein Glöcklein wurde der Verurteilte begnadigt und auf dem Festland auf freien Fuß gesetzt, nicht ohne ihm das Versprechen abgenommen zu haben, sich nie mehr in der Gegend blicken zu lassen.
Seither, so die Legende, heißt der Teil des Untersees zwischen der Insel Reichenau und Allensbach „Gnadensee“ und noch heute mahnt der Galgenacker zwischen Hegne und Allensbach an diese Zeit der Geschichte.