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Fritz Mühlenweg - eine Chronik

 

Am 11. Dezember 1898 wurde Fritz Mühlenweg in Konstanz geboren; die Drogerie Kornbeck in der Kanzleistraße gehörte seinen Eltern. So war es naheliegend, dass er nach der mittleren Reife 1914 eine Drogerielehre in Bielefeld begann, der Heimat seines Vaters. 1917 wurde er notgedrungen Soldat, kurz nachdem sein einziger Bruder gefallen war. Im Juli 1918 geriet er in französische Gefangenschaft.

 

"Die Aussicht auf ein Bett, um darin schlafen zu können, und die Auflehnung gegen den Stacheldraht trieben mich fort. Ich nahm mir vor in die Welt zu ziehen; aber weil das nicht so einfach war, musste ich warten. Das Warten dauerte ein paar Jahre, aber dann wurde es belohnt. Ich kam zur Expedition Sven Hedins und machte drei Reisen in Zentralasien mit...".

 

Diese drei Reisen in den Jahren 1927-1932 waren von entscheidender Bedeutung für Fritz Mühlenwegs weiteren Lebensweg als Maler und als Schriftsteller. In dieser Zeit wurde er sich seiner malerischen Begabung gewisser und begann auch - neben sehr anschaulichen Briefen - in kurzen Artikeln seine Eindrücke niederzuschreiben.

 

Nach seiner Rückkehr nach Europa ging er Ende 1932 auf Empfehlung eines Malerfreundes an die Akademie nach Wien, wo er Elisabeth Kopriwa, seine spätere Frau, kennenlernte. Sie heirateten 1933 ín Südfrankreich. Durch die Zeitumstände war das junge Ehepaar gezwungen, viele hochfliegende Pläne aufzugeben und Ende 1934 nach Deutschland zurückzukehren, da es in Folge der Notverordnungen unmöglich war, Devisen ins Ausland zu erhalten. Da Fritz Mühlenweg aus Konstanz stammte, war es naheliegend, in der Nähe eine Bleibe für sich und seine junge Familie zu suchen. Es gefiel ihnen in Allensbach, der Zwiebelturm erinnerte Elisabeth Mühlenweg an ihre oberösterreichische Heimat, und das Haus, das zu mieten war, schien zwar ein wenig klein, aber für ein Kind ausreichend. Später nach einigen An- und Umbauten, hatten dann sieben Kinder darin Platz. Eine der wichtigsten Begegnungen war 1936 die mit Otto Dix und seiner Familie, die zu gemeinsamen Malausflügen, gegenseitiger künstlerischer Anregung und zu einer lebenslanger Freundschaft führte.

 

Neben seiner malerischen Tätigkeit hielt Fritz Mühlenweg Vorträge über seine Reisen, schrieb gelegentlich für Zeitungen Berichte oder Erzählungen und verfaßte zusammen mit seiner Frau etliche Bilderbücher, die aber damals bei keinem Verleger Anklang fanden. In Konstanz gründeten das Ehepaar zusammen mit Sepp Biehler, Alex Rihm und Werner Roland die "Gruppe 38", die 1938 erstmals ausstellte. 1940 folgten dann noch zwei weitere Ausstellungen in Mannheim und Freiburg, dann setzte der Krieg dem ein Ende.

 

Zu Kriegsbeginn hatte Fritz Mühlenweg als Teilnehmer am 1. Weltkrieg zunächst am Schienerberg Zolldienst zu tun, kam aber 1940/41 als Dolmetscher zum Zoll in das besetzte Bordeaux. Dort suchte er in jeder freien Minute zum Malen zu kommen, und beteiligte sich zusammen mit seiner Frau an den wenigen Ausstellungen die es noch gab. mit Rücksicht auf seine größer gewordene Familie wurde er im Sommer 1941 wieder in die Heimat versetzt und tat dort bis zum Kriegsende Zolldienst. Während des langen Postenstehens auf der Insel Reichenau und in Meersburg arbeitete er an seinen Nachdichtungen aus dem chinesischem Buch der Lieder, dem Schi-King. Ein chinesischer Freund hatte ihm dieses Werk mit englischen Übersetzungen als verspätetes Hochzeitgeschenk vor dem Krieg zugesandt. 

 

Diese Gedichtauswahl wurde 1946 in Hamburg unter dem Titel "Tausendjähriger Bambus" veröffentlicht und war Mühlenwegs erstes gedrucktes Buch. Zu seinen Lebzeiten erlebte es noch zwei weitere Auflagen und wurde 1994 beim Libelle-Verlag mit einem ausführlichen Nachwort von Ekkehard Faude wieder aufgelegt. Alle diese Geschichten aus der Mongolei, die er seinen Kindern und Freunden erzählt hatte, begann Fritz Mühlenweg 1948 aufzuschreiben. Ursprünglich wollte er nur eine kleine Geschichte schreiben,

 

"...aber es sollte die Mongolei darin sein und alles was ich von ihr wußte. Dadurch wurde auch die Geschichte länger, und als ich meine Tagebücher zu Hilfe nahm, sah ich jeden Lagerplatz vor mir und ich wußte wieder, wie es am Edsin-Gol oder in Chara-Choto aussah. Da wurde die Geschichte noch länger, und als ich fertig war, waren es 746 Seiten."

 

Diese 746 Seiten erschienen 1950 beim Verlag Herder unter dem Titel "In geheimer Mission durch die Wüste Gobi" und machten Mühlenweg mit einem Schlag zu einem bekannten und gefragten Jugendbuchautor. Sein Werk wurde in acht Sprachen übersetzt und erhielt 1955 den Gerstäcker-Preis der Stadt Braunschweig. Weitere Publikationen folgten: 1952 der zum Teil autobiografische Roman "Das Tal ohne Wiederkehr", das 1992 bei Libelle mit neuem Titel "Fremde auf dem Pfad der Nachdenklichkeit" wieder aufgelegt wurde.

 

1953 "Nuni", ein Märchen, das er schon1936 geschrieben hatte. Jetzt erschien es, von ihm leicht überarbeitet und mit Zeichnungen von seiner Frau. 1956 wurde "Nuni" als eines der schönsten Bücher des Jahres ausgezeichnet. Auch "Nuni" wurde bei Libelle wieder aufgelegt , diesmal mit Illustrationen von Rotraut Susanne Berner.

 

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre erschienen weitere gemeinsame Kinderbücher von Fritz und Elisabeth Mühlenweg "Kasperl in der Winduhr", die biblische Nacherzählung "In jenen Tagen" und schließlich "Der Familienausflug", ein längst vergriffenes Bilderbuch, das die eigene Familie, Allensbach und den Bodanrück zum Thema hatte.

 

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit hat Fritz Mühlenweg auch immer gemalt, sich an den jährlichen Singener Ausstellungen beteiligt und an denen der Sezession Oberschwaben-Bodensee. Erheblich eingeschränkt wurde er jedoch in seiner Arbeit 1957 durch seinen ersten und 1958 durch seinen zweiten Schlaganfall, die es ihm nur noch erlaubten, mit der linken Hand zu malen und mit der Maschine zu schreiben. An den Folgen eines dritten Schlaganfalls starb er am Abend des 13. September 1961 in seinem Allensbacher Haus. Seine schwer nierenkranke Frau folgte ihm anderthalb Tage später. Beide sind auf dem Allensbacher Friedhof begraben.

Quelle: Allensbacher Almanach Nr. 51
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